Netto-Null

Netto-Null-Ziele werden beinahe täglich angekündigt und der Begriff hat sich zu einem Synonym für fortschrittliche Klimapolitik entwickelt. Was aber bedeuten diese Ziele konkret und wie können Städte, Regionen und Unternehmen ihre Netto-null-Ziele verwirklichen?

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Moselle river loop in Trittenheim, Germany

Was bedeutet Netto-Null?

Für Länder:

Ein nationales Netto-Null-Ziel erfordert weitgehende Verringerungen der Emissionen und den Abbau der schon bestehenden Treibhausgase (GGR) in der Atmosphäre. 

Die Bilanzierung der landesweiten Emissionen erfolgt auf territorialer Ebene, wobei jedes Land nur die Emissionen quantifiziert, die direkt durch die Aktivitäten innerhalb der geografischen Landesgrenzen entstehen. Dadurch wird eine Doppelerfassung von Emissionen vermieden und eine bessere Zusammenarbeit mit den jeweiligen möglichen Senkungsmaßnahmen der Emissionen auf Landesebene gewährleistet. Beispielsweise hat das Vereinigte Königreich, sich ein Netto-Null-Ziel, bezogen auf seine territorialen (oder produktionsbasierten) Emissionen, für 2050 gesetzt.  

Für Städte und Regionen: 

Für Städte oder Regionen gibt es keine weltweit anerkannte Definition für ein Netto-Null-Ziel. Wir definieren eine Netto-Null-Stadt wie folgt:

„Eine Netto-Null-Stadt oder -Region setzt sich ein ambitioniertes, wissenschaftlich begründetes Ziel für alle Emissionsquellen, den Ausstoß soweit zu reduzieren, dass das 1,5°C-Ziel erreicht werden kann. Dies geschieht auf Basis der BASIC+-Berichtsebene des Global Protocol for Community-Scale Greenhouse Gas Emission Inventories (GPC). Verbleibende, schwer zu dekarbonisierende Emissionen können durch den zertifizierten Abbau von Treibhausgasen (GGR) kompensiert werden.“

Die BASIC+-Ebene des GPC umfasst alle Emissionen laut Scope 1 und 2 sowie bestimmte Emissionen laut Scope 3, insbesondere exportierte Abfälle, T&D (Stromübertragung) und Transportwesen.

Wir sind der Meinung, dass „Anderen Emissionsquellen laut Scope 3“ (etwa Treibhausgasemissionen durch Investitionen, Wasserwirtschaft, Lebensmittel und Baumaterialien) nicht in der Definition eines Netto-Null-Stadt enthalten sein sollten. Allerdings sind wir davon überzeugt, dass eine Netto-Null-Stadt alles Notwendige unternehmen sollte, um auch die übrigen Emissionen laut Scope 3 zu reduzieren, die vom BASIC+-Regelwerk nicht erfasst werden.  

Für Unternehmen:

Die allgemeine Definition für ein Netto-Null-Unternehmen wurde noch nicht finalisiert, die Science Based Targets Initiative (SBTi) arbeitet jedoch bereits an einer Ausgestaltung.

Deren derzeitige Definition für Netto-Null in einem Unternehmen lautet: „Das Erreichen eines Zustands, bei dem die Aktivitäten innerhalb der Wertschöpfungskette eines Unternehmens nicht zu einer Nettobelastung des Klimas durch Treibhausgasemissionen führt“ (‘Towards a science-based approach to climate neutrality in the corporate sector’, 2019).

Aktuell wird an einer formalen Definition, mit entsprechenden Prinzipien und Richtlinien unter Berücksichtigung von Beiträgen der Stakeholder gearbeitet.

Wir verwenden folgende Definition für Netto-Null-Unternehmen im Einklang mit der Arbeitsdefinition der SBTi:  

„Ein Netto-Null-Unternehmen wird ein ambitioniertes, wissenschaftlich fundiertes 1,5°C-Ziel für die gesamten Emissionen seiner Wertschöpfungskette festlegen und verfolgen. Verbleibende, schwer zu dekarbonisierende Emissionen können durch den zertifizierten Abbau von Treibhausgasen kompensiert werden.“

Um den Status eines Netto-Null-Unternehmens zu erlangen, werden folgende drei Schlüsselelemente vorausgesetzt:

  1. Das Unternehmen wird ein ambitioniertes, wissenschaftlich fundiertes 1,5°C-Ziel für die gesamten Emissionen seiner Wertschöpfungskette festlegen und verfolgen
  2. Der Grenzwert muss den Scopes 1, 2 und 3 für das Unternehmen entsprechen
  3. Verbleibende, schwer zu dekarbonisierende Emissionen können durch zertifizierten Abbau von Treibhausgasen (GGR) kompensiert werden. Jeder Ausgleich von Emissionen sollte nur auf zertifizierte Methoden für den Abbau von Treibhausgasen beschränkt werden, um sicherzustellen, dass der Kohlenstoff dauerhaft gebunden wird. Wichtig ist dabei, dass das Unternehmen oder die Organisation dafür Sorge trägt, dass nur wirklich „schwer zu dekarbonisierende“ Emissionen kompensiert werden.

Lesen Sie unseren Übersichtsbericht - „Netto-Null: Ein Ziel, das einer Definition bedarf“ -  Andie Stephens gibt einen Überblick über die wichtigsten Elemente einer zukünftigen Definition für Netto-Null im Unternehmensbereich.

Warum Netto-Null so wichtig ist

Die weltweit stark verbreitete Einführung von Netto-Null-Zielen stellt einen bedeutenden Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung ambitionierter Klimaschutzmaßnahmen dar. Starke Senkungen der Emissionen im Einklang mit dem 1,5°C-Ziel und die nachhaltige Entnahme der verbleibenden Treibhausgase aus der Atmosphäre werden nötig sein, um diese Ziele zu erreichen – und beide sind entscheidend für den Kampf gegen den Klimawandel.  

Zweifellos werden auch Innovationen benötigt und wir arbeiten bereits mit einer Reihe an Organisationen an Projekten, die mit großer Wahrscheinlichkeit eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Netto-Null-Ziele spielen werden, wie etwa das Projekt Flexibility in Großbritannien.

Wir arbeiten mit Unternehmen, Institutionen und Regierungen auf der ganzen Welt daran, strenge Netto-Null-Ziele festzulegen und unterstützen deren Umsätzung.

Wie wir Sie unterstützen können

Für öffentliche Körperschaften:  

Klimastrategieplanung

Gemeinsam mit öffentlichen Körperschaften, haben wir ein Regelwerk für die Entwicklung von Netto-Null-Klimastrategien entwickelt.

Diesen Ansatz haben wir bereits zur Verwirklichung von über 30 Netto-Null-Strategien und -Aktionsplänen eingesetzt, sowohl mit lokalen Behörden als auch dem öffentlichen Sektor im Vereinigten Königreich und auf internationaler Ebene. Dazu gehören auch Pläne, die Emissionen laut Scope 1, 2 und 3 umfassen, sowohl auf Ebene einzelner Organisationen als auch für größere geografische Gebiete oder basierend auf der Zuständigkeit lokaler Behörden.  

Beispiele für Städte oder Regionen, mit denen wir zusammengearbeitet haben oder derzeit zusammenarbeiten, sind die City of London, North Tyneside, die Leeds City Region, die Sheffield City Region, die Cardiff Capital Region und Peterborough.  

Für Unternehmen:

Wir helfen Ihnen Ihre Netto-Null-Unternehmensziele festzulegen und unterstützen Sie bei der Erarbeitung einer Umsetzungsstrategie. Wir bieten diesbezüglich eine Reihe an Möglichkeiten an, darunter:

Wissenschaftlich begründete Ziele setzen

Wissenschaftlich begründete Zeile sind stringente Emissionsverringerungsziele und stehen im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens. Unsere Experten werden Sie durch den gesamten Prozess der Zielsetzung führen.

Klimawandelfolgenabschätzung

Wir unterstützen Ihr Unternehmen in der Analyse geschäftlich relevanter Klimarisiken und -chancen und sorgen dafür, dass die Ergebnisse in Ihre Netto-Null-Strategie einfließen.

Das Climate Leadership Framework

Das Climate Leadership Framework: Unser selbst entwickelter Rahmenplan ermöglicht es uns, gemeinsam mit Ihnen, die Klimaleistungsfähigkeit Ihres Unternehmens zu bewerten, bevor eine maßgeschneiderte Strategie mit den essenziellen Handlungsschritten erstellt wird, um eine vollständige Ausrichtung auf eine Netto-Null-Welt bis zum Jahr 2050 erreichen zu können.
 

Podcast: Hören Sie, wie Pauline Op de Beeck über die Auswirkungen von Netto-Null auf die Modebranche im Innovationsforum diskutiert (auf Englisch)