Die größten Hindernisse für den Net Zero Fortschritt deutscher Unternehmen

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Große Unternehmen in Deutschland handeln nicht in dem Tempo und Umfang, die erforderlich sind, um Net Zero zu erreichen. Laut neuer Daten der Net Zero Intelligence Unit des Carbon Trust sind nur 53% der Führungskräfte aus dem Bereich Nachhaltigkeit sehr zuversichtlich, dass ihre Unternehmen die Klimaziele zur Reduzierung der Emissionen erreichen werden.

In dem Bericht „Net Zero im Unternehmen: Hindernisse und Lösungswege“ haben 80 Führungskräfte im Bereich Nachhaltigkeit großer Unternehmen in Deutschland die Hindernisse identifiziert, die die Realisierung ihrer Net Zero Ziele erschweren oder gänzlich verhindern. 

Die Führungskräfte haben Schwierigkeiten, einen internen Business Case für Net Zero zu erstellen. 38% geben an, dass sich die Koordinierung ihrer Net Zero Pläne mit anderen Geschäftsprioritäten als Hindernis erweist. Auch das Engagement der Vorstandsebene stellt ein großes Hindernis dar: Nur 31% der Befragten stimmten vollständig zu, dass das Engagement auf Vorstandsebene ausreicht, um einen Übergangsplan für Net Zero zu erstellen und umzusetzen.

Und das trotz des zunehmenden regulatorischen Drucks seitens der EU, einschließlich der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD), die Unternehmen verpflichtet, über die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsthemen wie dem Klimawandel auf ihr Geschäft zu berichten. Ebenso soll Auskunft darüber gegeben werden, wie Geschäftstätigkeiten Menschen und Umwelt beeinflusst.

Mehr Klarheit in der politischen Landschaft wird für Unternehmen als entscheidend angesehen für eine gezielte Ausrichtung auf Net Zero. 93% der Befragten geben an, dass ihre Klimaschutzstrategie durch das politische und regulatorische Umfeld beeinflusst wird. Um eine langfristige Geschäftsstrategie zu entwickeln, benötigen sie politische Sicherheit über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren, was über einen Wahlzyklus hinaus geht. Die am häufigsten genannte politische Maßnahme, welche Emissionsreduktionen unterstützen soll, waren steuerliche Anreize für Energieeffizienz oder den Wechsel zu CO2-armer Energie.

Simon Retallack, Direktor der Net Zero Intelligence Unit des Carbon Trust, sagte:  

„Große Unternehmen in Deutschland setzen sich mit beeindruckendem Tempo Net Zero Klimaziele. Aber überzeugende Übergangspläne für die Realisierung dieser Ziele werden nicht in dem erforderlichen Tempo und Umfang umgesetzt.“

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass diese Unternehmen wissen, dass es einen Konsens über unternehmerische Klimaschutzmaßnahmen gibt, und dass es das Wichtigste ist, mit Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Transparenz zu beginnen.“

„Die internen und externen Hindernisse für Net Zero sollten nicht unterschätzt werden. Sie können als Orientierung dafür dienen, worauf Führungskräfte im Bereich Nachhaltigkeit ihre Maßnahmen und Ressourcen konzentrieren sollten, um wirkungsvolle Fortschritte zu erzielen.”

Unternehmen haben auch Schwierigkeiten ihre Scope 3 Emissionen zu reduzieren. Diese machen 70% der CO2-Bilanz eines Unternehmens aus, und umfassen Emissionen aus der Lieferkette und Produktemissionen. Die Untersuchung ergab, dass Unternehmen bei der Reduzierung von Scope 3 Emissionen durch hohe Kosten und erforderliche Investitionen, Schwierigkeiten bei der Koordinierung von Klimaschutzzielen und Wachstumsplänen haben. Das Fehlen einer standardisierten Methode zur Emissionserfassung in der Lieferkette stellt eine weitere Einschränkung dar.

Die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen setzten Ziele zur Reduzierung der Scope 3 Emissionen bis 2050. Deutschland liegt damit deutlich vor Schweden und den Niederlanden, wo nur ein Drittel der Unternehmen ein vergleichbares Ziel verfolgt.

Um die genannten Hindernisse zu überwinden und Fortschritte in Richtung Net Zero zu machen, stellt der Bericht einen Fünf-Schritte-Übergangsplan vor, darunter die Festlegung eines Prüfpunkt zur Klimakompatibilität für Geschäftsmodelle und die eines Prozentsatzes der Einnahmen für Investitionen in den Klimaschutz.

Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit die Kluft zwischen Zielen und Maßnahmen schließen zu müssen, und rät, so schnell wie möglich einen zuverlässigen Plan für den Übergang zu Net Zero vorzulegen.

Carbon Trust hat vor kurzem den ersten Standort in Deutschland eröffnet und damit eine Basis geschaffen, um bestehende und wachsende Arbeit in diesem Land zu unterstützen.

Anna Raffaelli, Regional Manager DACH im neuen Berliner Büro des Carbon Trust, sagte:  

„Um den Wandel voranzutreiben, der für Net Zero erforderlich ist, bedarf es eines unternehmensweiten Engagements - insbesondere auf der Führungsebene. Dies geht über „Business-as-usual“ hinaus, hin zu einem eher transformativen Ansatz, der finanzielle Entscheidungen, Wachstumspläne und den Ressourcenverbrauch umfasst.“  

„Es ist großartig zu sehen, dass viele deutsche Unternehmen mit ihren Zielen zur Reduzierung von Scope 3 Emissionen einen guten Start hingelegt haben; wir ermutigen alle Unternehmen, die Vorteile der Zusammenarbeit und der Kommunikation mit ihren Zulieferern zu nutzen, damit diese einen Weg in Richtung nachhaltigem Wachstum einschlagen können.“

„In Deutschland gibt es eine große verarbeitende Industrie, die einen schwer zu reduzierenden Sektor darstellt, aber auch für die meisten Emissionen verantwortlich ist, weshalb dringend gehandelt werden muss.“

„Mit unserem neuen Büro in Berlin freuen wir uns darauf, unsere Arbeit mit lokalen und globalen Unternehmen zu intensivieren, um diese Hindernisse zu überwinden und ihre Ziele in Taten umzuwandeln."

 

Herunterladen „Net Zero im Unternehmen: Hindernisse und Lösungswege“