Briefing: Netto-Null für Unternehmen

Es ist in aller Munde, aber wissen Sie, was Netto-Null genau bedeutet? Wir beantworten Ihre Fragen zu Netto-Null und anderen disbezüglichen Themen.

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Two women engineers

Was ist ein Netto-Null-Ziel?

Seit wir im Jahr 2019 eine Definition des Netto-Null-Werts im Magazin Insight veröffentlicht haben, hat die Science-Based Targets-Initiative (SBTi) eine Definition für Netto-Null-Zielee für Unternehmen folgendermaßen definiert:

„Das Erreichen von Netto-Null-Emissionen für Unternehmen beinhaltet zwei Bedingungen: 

  1. Das Erzielen von Emissionsreduktionen entlang der Wertschöpfungskette, konsistent mit einem Reduktionsumfang, der eine Erwärmung auf 1,5°C begrenzt, mit keiner oder begrenzter Überschreitung; 
  2. Die Neutralisierung der Auswirkung etwaiger Quellen von Restemissionen, deren Eliminierung durch die permanente Entfernung einer äquivalenten Menge atmosphärischen Kohlendioxids weiterhin undurchführbar bleibt.“

Des Weiteren hat die SBTi einen Vorschlagsentwurf für Kriterien hinsichtlich des Zugriffs auf unternehmerische Netto-Null-Ziele zur Beratung veröffentlicht und plant die Veröffentlichung der endgültigen Kriterien mit dazugehöriger Leitlinie vor der COP26 (Climate Change Conference) im November 2021. 

Ansätze zur Festlegung von Netto-Null-Zielen für Finanzinstitutionen befinden sich nach wie vor in der Entwicklungsphase.

Warum sollte mein Unternehmen ein Netto-Null-Ziel für sich festlegen? 

Strenge Netto-Null-Ziele können es erleichtern starke Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen, die mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens übereinstimmen und die Erderwärmung auf 1,5°C beschränken. 

In Zeiten des Klimanotstandes bahnt die Festlegung einer konkreten Strategie zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen den weiteren Weg für ambitionierte Klimaschutzziel.

Auf der Unternehmensebene ergeben sich einige wichtige Vorteile durch die Festlegung eines Netto-Null-Ziels. Dazu zählen:

  • Stärkung der Glaubwürdigkeit und des Markenimages
  • Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsvorteile
  • Verbesserte Widerstandsfähigkeit angesichts möglicher, zukünftiger Regulierungen
  • Wachsendes Vertrauen der Investoren

Wann sollten wir ein Netto-Null-Ziel festlegen?

Netto-Null ist kein kurzlebiger Trend. Vielmehr handelt es sich um eine langfristige Entwicklung zur Dekarbonisierung der Wirtschaft angesichts eines Klimanotstands.

Auch wenn in manchen Sektoren weiterhin Innovationen erforderlich sind, um wissenschaftlich begründete Ziele im Einklang mit einem 1,5°C-Szenario zu erreichen, sollte dies kein Hindernis für sofortiges Handeln zur Verringerung von Treibhausgasemissionen darstellen. Auch bedeutende Veränderungen hinsichtlich des derzeitigen Geschäftsmodells sollten aktiv in Betracht gezogen werden.

Die Festlegung eines Zielzeitrahmens für Netto-Null-Emissionen ist für Unternehmen ein wichtiger Schritt. Dennoch ist die konkrete Strategie, die ein Unternehmen für die Erreichung des Netto-Null-Ziels festlegt, nicht minder entscheidend. 

Einige Unternehmen, besonders in den „schwer zu dekarbonisierenden“ Sektoren, werden nicht umhinkommen, zur Erreichung ihrer Netto-Null-Ziele, auch Treibhausgasentnahmen (GGR) in Betracht zu ziehen. Über sinnvolle Methoden für GGR wird noch vielseits diskutiert und die Märkte für GGR bedürfen noch bedeutende Entwicklungen hinsichtlich des Volumens, der Marktmechanismen und der Zertifizierungsprotokolle. Nichtsdestotrotz sollte dies keinesfalls Unternehmen davon abhalten, sich auf die Reise hin zu Netto-Null-Zielen zu begeben.

Was ist der Unterschied zwischen Kohlenstoffneutralität und Netto-Null? 

Kohlenstoffneutralität oder CO2-Neutralität hat eine international anerkannte Standarddefinition – PAS 2060 – worin Anforderungen bezüglich der Quantifizierung, Verringerung und Kompensation von Treibhausgasemissionen festlegt werden. Der Standard definiert eine kohlenstoffneutrale Bilanz als „Zustand, in dem für einen festgelegten Zeitraum kein Nettoanstieg der weltweiten Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre stattfindet, infolge der Treibhausgasemissionen der betreffenden Entität im selben Zeitraum“.

Zwischen Kohlenstoffneutralität und der vorläufigen Definition der SBTi für Netto-Null bestehen einige wichtige Unterschiede:

  1. Der Grenzwert eines Netto-Null-Ziels schließt globale Emissionen laut Scope 1, 2 und 3 der jeweiligen Organisation mit ein. Kohlenstoffneutralität für eine Organisation umfasst lediglich solche laut Scope 1 und 2, während solche laut Scope 3 zwar empfohlen, nicht aber vorgeschrieben werden. 
  2. Der Grenzwert für eine Inanspruchnahme des Begriffs kohlenstoffneutral kann sich auf ein spezifisches Produkt oder eine Dienstleistung beziehen und muss nicht, wie im Falle von Netto-Null, zwingend die gesamte Organisation einschließen.
  3. Außerdem unterscheidet sich die Reduktionsgröße der gemeldeten Emissionen. Nettonull-Ziele müssen mit dem wissenschaftlich begründeten 1,5°C-Ziel übereinstimmen, während das Klimaziel bei der Kohlenstoffneutralität nicht genauer definiert ist. 
  4. Auch der Ansatz hinsichtlich der übrigen Emissionen unterscheidet sich: Für Netto-Null-Ziele werden spezifische Mengen an Treibhausgasentnahmen aus der Atmosphäre gefordert, während für die Kohlenstoffneutralität auch Ausgleichsmaßnahmen akzeptiert werden. 

Welche Arten von Ausgleichsmaßnahmen (offsets) können zur Erreichung von Netto-Null verwendet werden?

Nicht alle Emissions-Ausgleichsmaßnahmen sind gleich. Die Oxford University hat die  ‚The Oxford Principles for Net Zero Aligned Carbon Offsetting‘ veröffentlicht, welche eine Taxonomie zur Kategorisierung von Ausgleichsmaßnahmen in vermeidbare Emissionen, Emissionsreduzierungen und Treibhausgasentfernungen (greenhouse gas removal offsets, GGR) unterteilt. 

Ausgleichsmaßnahmen für vermeidbare Emissionen können von Projekten wie beispielsweise dem Austausch von Kerosin- mit Solar-Kochern stammen, da dadurch Emissionen vermieden werden, die ohne diesen Austausch nicht möglich gewesen wären.

Ausgleichsmaßnahmen zur Reduzierung von Emissionen können von Projekten mit vermiedener Entwaldung sowie der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid durch industrielle Prozesse stammen, wobei das Projekt die Freisetzung von Emissionen in die Atmosphäre stoppt.

Ausgleichsmaßnahmen zur Entfernung von Treibhausgasen können von Projekten wie z. B. Aufforstung und direkter Erfassung und Speicherung von AirCarbon stammen, wobei Emissionen physisch aus der Atmosphäre entfernt werden.  

Ein weiterer Unterschied wird zwischen langfristiger Carbon-Speicherung (wie z. B. eine direkte Erfassung und Speicherung von AirCarbon) und kurzfristiger Speicherung (wie z. B. Aufforstung) gemacht. 

Es gibt eine Reihe an möglichen kurzfristigen Maßnahmen. Die Unterlagen für die Maßnahmen der Oxford Principles schlagen vor, dass Unternehmen einen progressiven Ansatz verfolgen können, indem sie in diesem Jahr mit bereits verfügbaren Ausgleichsmaßnahmen (wie z. B. der Vermeidung von Emissionen) und langsamer Integration eines größeren Anteils an Maßnahmen zur Entfernung von Treibhausgasen beginnen - bis zu 100 % Ausgleich von Treibhausgasentfernungen im Zieljahr. 

Die SBTi hat seine Anforderungen auf endgültige und zwischenzeitliche Ziele konzentriert, die mit der Menge an entfernten Treibhausgasen zusammenhängt, obwohl sie auch empfiehlt, dass Unternehmen damit beginnen, andere kurzfristige Maßnahmen zu verwenden, um die Entfernung von Treibhausgasen zu ergänzen.

Unternehmen sollten die Dekarbonisierung der Emissionsbereiche 1, 2 und 3 im Einklang mit einer 1,5°C-Ausrichtung priorisieren, bevor sie nach Ausgleichsmaßnahmen suchen um ein Netto-Null-Ziel zu erreichen. 

Was unterscheidet Netto-Null-Ziele von science-based targets?

Science-based targets legen eine Reduzierung für die Emissionsbereiche 1, 2 und 3 fest und ermöglichen Unternehmen keine Ausgleichsmaßnahmen, um eine Reduzierung zu erreichen. 

Netto-Null-Ziele sollten mit einem science-based target einhergehen, das auf 1,5 °C ausgerichtet ist, aber auch einen zusätzlichen Aspekt zur Kompensierung von Restemissionen durch die Verwendung von Treibhausgas-Entfernungen mit sich bringen. Durch Treibhausgasentnahmen werden übrige Emissionen aus der Atmosphäre genommen und dauerhaft gespeichert.

Es ist wichtig zu betonen, dass der Markt zur Entfernung von Treibhausgasen unausgereift ist und Unternehmen zur Tätigung von Vorabinvestitionen ermutigt werden, um garantierte Entfernungsmaßnahmen im Netto-Null-Zieljahr ermöglichen zu können und Kapazitäten im Treibhausgasentfernungsmarkt aufzubauen.

Welche internen Stakeholder sollten an der Festlegung und Umsetzung von Netto-Null-Zielen beteiligt sein?

Mitarbeiter der Betriebs- und Finanzbereiche müssen in Bereichen zu denen sich das Unternehmen eventuell verpflichten möchte, hinsichtlich der technischen Umsetzung, künftigen Energiekosten und Kosten für Treibhausgasentnahmen beratend tätig werden. 

Wir empfehlen außerdem, Mitarbeiter des Kommunikationsbereichs mit einzubeziehen, um die Art und Weise der Veröffentlichung des Ziels, sowie der Fortschritte des Unternehmens und deren Kommunikation intern und extern mitbeeinflussen zu können.  

Außerdem sollten Stakeholder möglichst früh einbezogen werden um ein klares Bild zu vermitteln, worum es bei Netto-Null-Zielen geht. Es ist wichtig, dass Sie diese Gruppe von Stakeholdern von dem überzeugen, was Sie gerne tun möchten, sowie insbesondere wie genau Sie diese Ziele erreichen möchten.

Wie können wir unsere Netto-Null-Ziele kommunizieren?

Der SBTi Kriterien-Entwurf für Netto-Null beinhaltet auch Anforderungen in Bezug darauf, wie Netto-Null-Ziele kommuniziert werden sollten. Diese sehen wie folgt aus: 

  • Das Netto-Null-Ziel sollte öffentlich bekanntgegeben werden und über das Basis-, Rahmen- und Zieljahr informieren. Die Bekanntgabe sollte auch das Ausmaß, die Minderung und Neutralisierung der Emissionen beinhalten. 
  • Unternehmen sollten die zur Erreichung des Netto-Null-Ziels verwendeten Treibhausgasentfernungen im Zieljahr offenlegen.
  • Fortschritt gegenüber Zielen sollte auf jährlicher Basis berichtet werden und Folgendes beinhalten:
    • Vollkommen aufgeschlüsselte Emissionen und Entfernungen im Treibhausgasinventar (GHG Inventory), aufgegliedert in Scope 1, 2 und 3
    • Identifizierung aller Unterlagen und vertraglichen Dokumente die für Emissionsentfernung-Ziele verwendet wurden
    • Projektinformation hinsichtlich aller erworbenen und ausgestellten Zertifikate und die zur ausgeführten Emissionsentfernung verwendeten Ansätze
    • Einzelheiten hinsichtlich der Haftung und des Vergänglichkeitsrisikos von Emissionsspeicherung

Die Veröffentlichung von Informationen über das Ziel auf Ihrer Website unterstützt die entsprechende Berichterstattung in den Medien. Unsere Empfehlung: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter im Bereich Kommunikation stets auf dem neuesten Stand sind und Ihre Arbeitsschritte verstanden haben. So vermeiden Sie Vorwürfe des Greenwashings oder Markenrisiken. 

Was sind die ersten Schritte, die mein Unternehmen hinsichtlich der Festlegung eines Netto-Null-Ziels in Angriff nehmen sollte?

Der erste Schritt besteht in der Messung der Emissionen laut Scope 1, 2 und 3 Ihres Unternehmens und der Festlegung eines wissenschaftlich begründeten Ziels im Einklang mit dem 1,5°C-Szenario für Ihr Unternehmen und seine gesamte Wertschöpfungsketten. 

Anschließend können Sie die Optionen abwägen, weitergehende Ziele festzulegen, die Stakeholder an einen Tisch zu bringen und zu ermitteln, ob für Ihr Unternehmen ein Netto-Null-Ziel oder ein Kohlestoffneutralitätsziel sinnvoller ist. 

Kontaktieren Sie uns noch heute und machen Sie sich auf den Weg zu Netto-Null
 

Standpunkte

Netto-Null: Ein Ziel, das einer Definition bedarf

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