Briefing: Netto-Null für Unternehmen

Es ist in aller Munde, aber wissen Sie, was Netto-Null genau bedeutet? Wir beantworten Ihre Fragen zu Netto-Null und anderen disbezüglichen Themen.

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Two women engineers

Was ist ein Netto-Null-Ziel?

Für Unternehmen zeichnet sich langsam ein Konsens über die Definition von Netto-Null ab.  Die Science Based Targets Initiative (SBTi) arbeitet an einer Definition, sowie entsprechenden Prinzipien und Richtlinien. Deren Diskussionspapier von 2019 definiert Netto-Null-Emission für ein Unternehmen als das „Erreichen eines Zustands, in dem Treibhausgasemissionen aufgrund von Aktivitäten innerhalb der Wertschöpfungskette eines Unternehmens keine Auswirkungen auf das Klima haben“.

Wir haben diese Definition erweitert, damit Unternehmen sofort die ersten Maßnahmen zur Entwicklung einer Strategie für Netto-Null-Emissionen ergreifen können. 

„Ein Netto-Null-Unternehmen wird ein ambitioniertes, wissenschaftlich fundiertes 1,5°C-Ziel für die gesamten Emissionen seiner Wertschöpfungskette festlegen und verfolgen. Verbleibende, schwer zu dekarbonisierende Emissionen können durch zertifizierten Abbau von Treibhausgasen kompensiert werden.“

Die Definition eines Netto-Null-Unternehmen umfasst folgende drei Schlüsselelemente:

  1. Das Unternehmen wird ein ambitioniertes, wissenschaftlich fundiertes 1,5°C-Ziel für die gesamten Emissionen seiner Wertschöpfungskette festlegen und verfolgen.
  2. Der Grenzwert muss den Scopes 1, 2 und 3 für das Unternehmen entsprechen
  3. Verbleibende, schwer zu dekarbonisierende Emissionen können durch zertifizierten Abbau von Treibhausgasen (GGR) kompensiert werden. Jeder Ausgleich von Emissionen sollte nur auf zertifizierte Methoden für den Abbau von Treibhausgasen beschränkt werden, um Gewissheit zu haben, um sicherzustellen dass der Kohlenstoff dauerhaft gebunden wird.. Wichtig ist dabei, dass das Unternehmen oder die Organisation dafür Sorge trägt, dass nur wirklich „schwer zu dekarbonisierende“ Emissionen kompensiert werden.

Lesen Sie unseren Übersichtsbericht - „Netto-Null: Ein Ziel, das einer Definition bedarf“ - Andie Stephens gibt einen Überblick über die wichtigsten Elemente einer zukünftigen Definition für Netto-Null im Unternehmensbereich.

Warum sollte mein Unternehmen ein Netto-Null-Ziel für sich festlegen? 

Strenge Netto-Null-Ziele können es erleichtern starke Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen, die mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens übereinstimmen und die Erderwärmung auf 1,5°C beschränken. 

In Zeiten des Klimanotstandes bahnt die Festlegung einer konkreten Strategie zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen den weiteren Weg für ambitionierte Klimaschutzziel.

Auf der Unternehmensebene ergeben sich einige wichtige Vorteile durch die Festlegung eines Netto-Null-Ziels. Dazu zählen:

  • Stärkung der Glaubwürdigkeit und des Markenimages
  • Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsvorteile
  • Verbesserte Widerstandsfähigkeit angesichts möglicher, zukünftiger Regulierungen
  • Wachsendes Vertrauen der Investoren

Wann sollten wir ein Netto-Null-Ziel festlegen?

Netto-Null ist kein kurzlebiger Trend. Vielmehr handelt es sich um eine langfristige Entwicklung zur Dekarbonisierung der Wirtschaft angesichts eines Klimanotstands.

Auch wenn in manchen Sektoren weiterhin Innovationen erforderlich sind, um wissenschaftlich begründete Ziele im Einklang mit einem 1,5°C-Szenario zu erreichen, sollte dies kein Hindernis für sofortiges Handeln zur Verringerung von Treibhausgasemissionen darstellen. Auch bedeutende Veränderungen hinsichtlich des derzeitigen Geschäftsmodells sollten aktiv in Betracht gezogen werden.

Die Festlegung eines Zielzeitrahmens für Netto-Null-Emissionen ist für Unternehmen ein wichtiger Schritt. Dennoch ist die konkrete Strategie, die ein Unternehmen für die Erreichung des Netto-Null-Ziels festlegt, nicht minder entscheidend. 

Einige Unternehmen, besonders in den „schwer zu dekarbonisierenden“ Sektoren, werden nicht umhinkommen, zur Erreichung ihrer Netto-Null-Ziele, auch Treibhausgasentnahmen (GGR) in Betracht zu ziehen. Über sinnvolle Methoden für GGR wird noch vielseits diskutiert und die Märkte für GGR bedürfen noch bedeutende Entwicklungen hinsichtlich des Volumens, der Marktmechanismen und der Zertifizierungsprotokolle. Nichtsdestotrotz sollte dies keinesfalls Unternehmen davon abhalten, sich auf die Reise hin zu Netto-Null-Zielen zu begeben.

Was ist der Unterschied zwischen Kohlenstoffneutralität und Netto-Null? 

Kohlenstoffneutralität oder CO2-Neutralität hat eine international anerkannte Standarddefinition – PAS 2060 – worin Anforderungen bezüglich der Quantifizierung, Verringerung und Kompensation von Treibhausgasemissionen festlegt werden. Der Standard definiert eine kohlenstoffneutrale Bilanz als „Zustand, in dem für einen festgelegten Zeitraum kein Nettoanstieg der weltweiten Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre stattfindet, infolge der Treibhausgasemissionen der betreffenden Entität im selben Zeitraum“.

Zwischen Kohlenstoffneutralität und der vorläufigen Definition der SBTi für Netto-Null bestehen einige wichtige Unterschiede:

  1. Der Grenzwert eines Netto-Null-Ziels schließt globale Emissionen laut Scope 1, 2 und 3 der jeweiligen Organisation mit ein. Kohlenstoffneutralität für eine Organisation umfasst lediglich solche laut Scope 1 und 2, während solche laut Scope 3 zwar empfohlen, nicht aber vorgeschrieben werden. 
  2. Der Grenzwert für eine Inanspruchnahme des Begriffs kohlenstoffneutral kann sich auf ein spezifisches Produkt oder eine Dienstleistung beziehen und muss nicht, wie im Falle von Netto-Null, zwingend die gesamte Organisation einschließen.
  3. Außerdem unterscheidet sich die Reduktionsgröße der gemeldeten Emissionen. Nettonull-Ziele müssen mit dem wissenschaftlich begründeten 1,5°C-Ziel übereinstimmen, während das Klimaziel bei der Kohlenstoffneutralität nicht genauer definiert ist. 
  4. Auch der Ansatz hinsichtlich der übrigen Emissionen unterscheidet sich: Für Netto-Null-Ziele werden spezifische Mengen an Treibhausgasentnahmen aus der Atmosphäre gefordert, während für die Kohlenstoffneutralität auch Ausgleichsmaßnahmen akzeptiert werden. 

Können Ausgleichsmaßnahmen zur Erreichung von Netto-Null-Zielen herangezogen werden?

Ausgleichsmaßnahmen beziehen sich im Allgemeinen auf Projekte zur Verringerung des Kohlenstoffausstoßes, durch bestimmte Vorhaben und werden mit einem Referenzszenario verglichen. Die Entnahme von Treibhausgasen aus der Atmosphäre entfernt hingegen solche Gase permanent und speichert sie dauerhaft. Ausgleichsmaßnahmen können beispielsweise genutzt werden, um etwa Kerosinkochherde gegen Solarherde auszutauschen, da dadurch Emissionen vermieden werden, die andernfalls entstanden wären. GGR hingegen kann zur Einberechnung von Aufforstungen genutzt werden, da dadurch Kohlenstoffemissionen direkt aus der Atmosphäre entnommen und in Biomasse gespeichert wird.

Kohlenstoff-Ausgleichsmaßnahmen können zur Erreichung von Kohlenstoffneutralität gemäß PAS 2060 genutzt werden, jedoch nicht für Netto-Null-Ziele. Um Netto-Null zu erreichen, müssen übrige Emissionen mittels zertifizierter Methoden und in angemessenen Mengen aus der Atmosphäre entnommen werden. Mögliche Optionen zur Entnahme von Treibhausgasen umfassen großflächige Aufforstungen, Biokohle und Bioenergie mit der Möglichkeit zum auffangen und speicherung des freiwerdenden Kohlenstoffs. 

Was unterscheidet Netto-Null-Ziele von wissenschaftlich begründeten Zielen?

Wissenschaftlich begründete Ziele legen ein Emissionsreduktionsszenario für Emissionen laut Scope 1, 2 und 3 fest und erlauben es Unternehmen nicht, durch Ausgleichsmaßnahmen Emissionen zu verringern. 

Netto-Null-Ziele enthalten eine weitere Komponente hinsichtlich der Kompensation der übrigen Emissionen durch die Entnahme von Treibhausgasen. Durch Treibhausgasentnahmen werden die übrigen Emissionen aus der Atmosphäre genommen und dauerhaft gespeichert.

Es ist derzeit für Unternehmen schwierig, ein Netto-Null-Ziel ohne erhebliche Verringerungen der Emissionen laut Scope 1, 2 und 3 zu erzielen, da der Markt für Treibhausgasentnahmen noch im  Entwicklungsstadium ist. 

Welche internen Stakeholder sollten an der Festlegung und Umsetzung von Netto-Null-Zielen beteiligt sein?

Mitarbeiter der Betriebs- und Finanzbereiche müssen in Bereichen zu denen sich das Unternehmen eventuell verpflichten möchte, hinsichtlich der technischen Umsetzung, künftigen Energiekosten und Kosten für Treibhausgasentnahmen beratend tätig werden. 

Wir empfehlen außerdem, Mitarbeiter des Kommunikationsbereichs mit einzubeziehen, um die Art und Weise der Veröffentlichung des Ziels, sowie der Fortschritte des Unternehmens und deren Kommunikation intern und extern mitbeeinflussen zu können.  

Außerdem sollten Stakeholder möglichst früh einbezogen werden um ein klares Bild zu vermitteln, worum es bei Netto-Null-Zielen geht. Es ist wichtig, dass Sie diese Gruppe von Stakeholdern von dem überzeugen, was Sie gerne tun möchten, sowie insbesondere wie genau Sie diese Ziele erreichen möchten.

Wie kann unser Unternehmen unsere Netto-Null-Ziele am besten nach außen kommunizieren?

Netto-Null-Ziele zeigen Ihren Kunden, Mitarbeitern und anderen wichtigen Stakeholdern, wie Ihr Unternehmen den Wandel hin zu einer Netto-Null-Wirtschaft vollzieht und wie engagiert Sie im Kampf gegen den Klimawandel auftreten. Mehr und mehr Unternehmen verkünden Netto-Null-Ziele und Ihre Kommunikation darüber wird zunehmend genauer beobachtet werden.  Hinsichtlich Ihrer Arbeitsschritte auf Ihrem Weg hin zum Netto-Null-Unternehmen, ist es daher entscheidend transparent zu sein und Sorge dafür zu tragen, dass Ihre Netto-Null-Definition mit dem sich herausbildenden Verständnis und der Definition der SBTi übereinstimmt (siehe oben).

Ganz besonders wichtig ist, dass die von Ihnen bereitgestellten Informationen präzise über Ihre Erwartungen hinsichtlich der Emissionsverringerungen laut Scope 1, 2 und 3 Auskunft geben. Ob diese Verringerungen im Einklang mit dem 1,5°C-Szenario stehen und ob Sie die übrigen Emissionen durch Treibhausgasentnahmen kompensieren wollen. 

Die Veröffentlichung von Informationen über Ihr potenzielles Netto-Null-Ziel auf Ihrer Website, kann die entsprechende Berichterstattung in den Medien um einiges verstärken. Unsere Empfehlung: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter im Bereich der Kommunikation stets auf dem neuesten Stand sind und Ihre Arbeitsschritte verstanden haben. So vermeiden Sie Risiken für Ihre Marke oder Vorwürfe des Greenwashing. 

Was sind die ersten Schritte, die mein Unternehmen hinsichtlich der Festlegung eines Netto-Null-Ziels in Angriff nehmen sollte?

Der erste Schritt besteht in der Messung der Emissionen laut Scope 1, 2 und 3 Ihres Unternehmens und der Festlegung eines wissenschaftlich begründeten Ziels im Einklang mit dem 1,5°C-Szenario für Ihr Unternehmen und seine gesamte Wertschöpfungsketten. 

Anschließend können Sie die Optionen abwägen, weitergehende Ziele festzulegen, die Stakeholder an einen Tisch zu bringen und zu ermitteln, ob für Ihr Unternehmen ein Netto-Null-Ziel oder ein Kohlestoffneutralitätsziel sinnvoller ist. 

Kontaktieren Sie uns noch heute und machen Sie sich auf den Weg zu Netto-Null
 

Standpunkte

Netto-Null: Ein Ziel, das einer Definition bedarf

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